Alles roh, oder was? Rohkost-Ernährung im Überblick

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Wenn ihr euch mit dem Thema vegane Ernährung beschäftigt, stoßt ihr ziemlich schnell auch auf das Thema „Rohkost“, denn viele Veganer leben „rohköstlich“, oder aber schwören zumindest darauf, möglichst viele Lebensmitteln ungekocht zu verzehren. Aber was bedeutet „Rohkost“ nun eigentlich, und sind alle Rohköstler auch Veganer?

Der zweite Teil der Frage lässt sich einfach beantworten: Nein. Zwar ernähren sich die meisten Rohköstler vermutlich auch vegan, doch manch einer isst auch tierische Produkte wie Fleisch oder Eier – nur eben ungekocht. Rohkost bedeutet also nicht automatisch vegan, eine vegane Ernährungsweise dürfte aber unter Rohköstlern stark verbreitet sein.

Maximale Nährstoffausbeute

Einer rohköstlichen Ernährung liegt die Annahme zugrunde, dass Lebensmittel dann besonders nährstoffreich sind, wenn man sie in unverarbeiteter Form verzehrt. Durch das Erhitzen von Lebensmitteln gehen so manche Nährstoffe und Enzyme verloren, da sie temperaturempfindlich sind.

Das heißt allerdings nicht, dass man alles kalt essen muss. In der Rohkost-Szene wird 42 °C als Obergrenze für die Erhitzung festgelegt. Bis zu dieser Temperatur soll der volle Nährstoffgehalt zumindest annähernd erhalten bleiben. Nicht ganz zufällig werden rohköstliche Lebensmittel auch als „lebendige Nahrung“ bezeichnet. Rohköstler wollen also möglichst den maximalen Nährstoffgehalt aus ihren Lebensmitteln ziehen, was zunächst mal sehr einleuchtend und sinnvoll klingt.

Als positive gesundheitliche Effekte werden ein deutliches Energieplus, der Rückgang von Allergien und der Verlust von Übergewicht angegeben. Die meisten von euch werden sich aber nun fragen: Was kann man dann überhaupt essen? Die Antwort lautet: erstaunlich viel!

Nur noch Obst essen?

Vermutlich fällt einem als erstes Obst ein, das man in der Regel sowieso umerhitzt verzehrt. Aber auch in der Gemüseabteilung wird man sehr gut fündig, und bei manchen Gemüsesorten dürften viele erstaunt sein, dass man diese auch roh essen kann – zum Beispiel Blumenkohl oder Brokkoli. Sehr viele Getreidesorten oder Hülsenfrüchte hingegen sollte man lieber nicht roh verzehren, aber das schreckt den erfahrenen Rohköstler keineswegs ab.

Durch Keimen oder Fermentieren werden solche Lebensmittel verzehrbar, und gekeimte Lebensmittel (z.B. Buchweizen oder Samen) haben sogar häufig einen deutlich höheren Nährwert als die ungekeimte Variante.

Kein Wunder, dass das Ankeimen von Lebensmitteln wohl einer der nächsten Food-Trends sein könnte. Man braucht dazu praktischerweise auch keine besonderen Geräte – Schüsseln oder Teller und Wasser reichen. Allerdings sollte man sich vorher gut informieren, welche Keimbedingungen welches Lebensmittel gerne hätte.

Roher Karotten-Kuchen

Roher Karotten-Kuchen (c) annapustynnikova / Fotolia

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Kreative Rohkostküche

Klingt ja alles prima soweit, aber ist das nicht unglaublich langweilig, sich rohköstlich zu ernähren? Nur noch Möhrchen knabbern macht doch keinen Spaß! Stimmt, aber tatsächlich muss Rohkost überhaupt nicht langweilig sein, was viele Rohkost-Blogs und Kochbücher beweisen. Pizza, Pasta, Sushi? Geht alles auch „in roh“!

Und besonders erstaunlich: Rohkost-Torten können unfassbar köstlich sein, und kaum einer würde überhaupt merken, dass auf den Backofen verzichtet wurde. Rohkost kann superlecker, kreativ und pfiffig sein. Zugegebenermaßen ist sie aber durchaus aufwendiger, zumindest wenn man so richtig pfiffige Gerichte herstellen möchte. Eine Banane schälen geht hingegen ziemlich schnell. 😉

Ist Rohkost was für mich?

Das muss natürlich jede und jeder für sich entscheiden. Tatsächlich kommt nicht jeder Mensch gleichermaßen mit Rohkost klar, zumindest bei einer 100%igen Rohkosternährung. Nicht wenige haben Probleme bei der Verdauung, bekommen Magenbeschwerden oder Blähungen. Empfehlenswert ist in jedem Fall, nicht von heute auf morgen komplett auf Rohkost umzustellen. Besser ist es, wenn du den Rohkostanteil nach und nach erhöhst.

Viele finden empfinden 100 % Rohkost auf Dauer als sehr schwierig, weil eine solche Ernährungsweise durchaus mehr Vorbereitung erfordern kann – oder weil die Gelüste nach gekochter Nahrung immer wieder auftauchen. So oder so scheint es empfehlenswert zu sein, sicher öfters mal zu fragen: Können wir das auch roh essen?